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drängten die Russen

 


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Und drängten die Russen von überall
Im Oktober 1944 gipfelte der Vormarsch der Roten Armee im Massaker von Nemmersdorf
von Heinz Magenheimer

Im Herbst 1944 traf der Zweite Weltkrieg massiv auch die Menschen in Ostpreußen. Hatten sie lange Zeit in ihrer Abgeschiedenheit von den Fronten und weitestgehend auch vom Luftkrieg die Folgen des Krieges nicht gespürt, begann mit dem Vordringen der Roten Armee der Anfang von dem Ende ihrer Heimat.

Ende August 1944 hatten die 3. Panzerarmee und die 4. Armee der Heeresgruppe Mitte wider Erwarten die mit großer Wucht geführte Sommeroffensive der Roten Armee vor den Grenzen Ostpreußens und in Litauen zum Stehen gebracht. Es war auch gelungen, die unterbrochene Landverbindung zur Heeresgruppe Nord im Gegenangriff südlich von Tuckum wiederherzustellen. Dennoch zeichneten sich Ende September neue Krisen ab. Die sowjetische Offensive gegen die beiden Armeen im Baltikum erzwang den Rückzug auf einen Brückenkopf bei Riga, den Hitler und Generalstabschef Guderian halten wollten, um die Kräfte neu zu ordnen.

Die Rückführung der Truppen verlief jedoch so langsam, dass keine wesentlichen Kräfte den Westteil Litauens erreichten, wo man dringend Verstärkungen brauchte. Generaloberst Raus, der die 3. Panzerarmee führte, drängte auf Verstärkung dieses Abschnittes, da er den Durchbruch an die Ostsee bei Memel erwartete. Die Heeresgruppe Nord beließ jedoch die wenigen Reserven südwestlich von Riga, während sich der Gegner seit dem 24. September zum Großangriff in Richtung Ostsee bereitstellte.

Als die Großoffensive mit starker Artillerie- und Luftwaffenunterstützung gegen das Zentrum der 3. Panzerarmee am 6. Oktober losbrach, kamen die wenigen Reserven zu spät, sodass die Stellungstruppen auf sich allein gestellt kämpfen mussten. Zwei sowjetische Armeen griffen auf nur zehn Kilometer Frontbreite an und durchbrachen trotz harter Abwehr die deutsche Front beiderseits von Schaulen/Siauliai. Nach zügigem Vorstoß standen ihre Spitzen am 10. Oktober nördlich von Memel an der Ostsee. Die Verteidiger der Stadt, verstärkt durch Volkssturm, schlugen aber alle Angriffe ab, während die schweren Kreuzer „Prinz Eugen“ und „Lützow“ mit Salvenfeuer eingriffen.

Doch mit dem sowjetischen Durchbruch an die Ostsee war die Heeresgruppe Nord, die zu spät mit der Verschiebung von Truppen begonnen hatte, wieder von der Hauptfront abgeschnitten. Sie musste sich nun, immerhin 30 Divisionen stark, mit der Verteidigung Kurlands abfinden, wobei sie sieben sowjetische Armeen band. Sonst aber trug sie nichts zur Verteidigung Ostpreußens bei: ein schwerer militärstrategischer Nachteil.
 

Zur Verteidigung der 350 Kilometer langen Front fehlten mehrere Divisionen

Inzwischen warfen zwei sowjetische Armeen den Südflügel der 3. Panzerarmee auf einen flachen Brückenkopf nördlich von Tilsit zurück. Aus den umkämpften Gebieten strömten in Eile lange Flüchtlingszüge, die sehr spät den Aufruf zur Räumung erhalten hatten, in Richtung der rettenden Memel und ins Innere Ostpreußens. Vorstoßende sowjetische Panzerrudel schossen rücksichtslos in die Flüchtlingskolonnen, und fast ein Drittel der Landbevölkerung fiel den Angreifern in die Hände. Etwa 4.000 Flüchtlinge konnten sich in Booten von der Halbinsel Windenburg über das Kurische Haff retten.

Nun stand die Verteidigung Ostpreußens im Mittelpunkt der Anstrengungen. Da der Gegner bei der 2. Armee am Narew Brückenköpfe gewonnen hatte, drohte die Gefahr einer weiträumigen Umfassung Ostpreußens von Süden her. Die wenigen gepanzerten Reserven verblieben also dort, sodass die 4. Armee unter General Friedrich Hossbach ohne Verstärkungen auskommen musste. Besonders im Mittel- und Nordabschnitt der Armee, wo man den Angriff erwartete, wurde ein starkes und tiefes Stellungssystem errichtet.

Zur Verteidigung der 350 Kilometer langen Front standen Hossbach nur sieben Infanterie-, sechs neue Volksgrenadier- und zwei Sicherungsdivisionen, dazu noch zwei Brigaden und ein Regiment zur Verfügung. Der Stellungsbau folgte der Absicht, den vordersten Graben rechtzeitig zu räumen, um dem vernichtenden Vorbereitungsfeuer zu entgehen. Die vorne eingesetzte Infanterie sollte sich in der Nacht vor dem Angriff auf die „Großkampfstellung“ absetzen und erst dort, unterstützt durch schwere Waffen, Widerstand leisten. Während sich die Truppe intensiv auf die Verteidigung vorbereitete, errichteten Tausende von Landeseinwohnern Auffangstellungen im Hinterland. Die Truppe wusste, dass es darauf ankam, einen Durchbruch um jeden Preis zu verhindern. Es sollte sich als fatal erweisen, dass Gauleiter Erich Koch eine Räumung der bedrohten Gebiete trotz eindringlicher Warnungen verbot.

Am 16. Oktober eröffnet der Gegner um 4 Uhr morgens ein zweistündiges Trommelfeuer, gefolgt von Bomber- und Schlachtfliegerangriffen bisher unbekannter Heftigkeit auf die vorderen Linien und Ziele im Hinterland, wie Gumbinnen. Während das XXVII. Armeekorps noch in der Nacht auf die „Großkampflinie“ ausgewichen ist und dem Trommelfeuer entgeht, wird das nördlich davon eingesetzte XXVI. Armeekorps schwer getroffen. Die 1. Infanteriedivision erleidet östlich von Wirballen ihre bisher höchsten Verluste; sie muss zwar Gelände aufgeben, kann aber einen Durchbruch mit Mühe und Not verhindern. Die dezimierte Infanterie klammert sich an Sturmgeschütze und einzelne schwere Waffen und macht aus diesen Stützpunkten „Wellenbrecher“.

Es sind drei sowjetische Armeen, darunter die 11. Gardearmee, die auf einer Frontbreite von 90  Kilometern frontal zum Durchbruch in Richtung Gumbinnen – Königsberg ansetzen. Zwei weitere Armeen folgen als zweite Staffel. Der Stab der Heeresgruppe Mitte unter Generaloberst Reinhardt weiß zunächst nicht, ob es sich um den Hauptangriff oder nur um eine Fesselungsaktion handelt, dem Angriffe gegen die Flanken folgen würden. Noch werden keine Reserven freigegeben.

Der Einbruch nördlich der Straße Wilkowischken – Gumbinnen weitet sich nach Süden aus; die Gefahr eines Durchbruchs entlang der Straße nach Gumbinnen wächst. Der Landrat von Ebenrode lässt seinen Kreis auf eigene Verantwortung räumen. Am 17. Oktober ergehen kurzfristige Räumungsbefehle für den Landkreis Schlossberg und für einen Teil des Kreises Goldap. Der Landkreis Gumbinnen folgt erst am 20. Ok-tober, als der Gegner bereits kurz vor der Stadt steht. In manchen Ortschaften bricht Panik aus, und die Flüchtlingszüge setzen sich, da jede Vorbereitung fehlt, überhastet und ungeordnet in Marsch.

Der zweite Angriffstag beginnt wieder mit schwerem Artilleriefeuer, dann setzen sich Infanterieverbände mit zahlreichen schweren Panzern, unterstützt durch zahlreiche Jagdbomber nach Westen in Bewegung. Am Abend fällt nach schwerem Häuserkampf Schirwindt, ebenso Wirballen. Nur wenige deutsche Sturmgeschützen können den sowjetischen Panzerbrigaden entgegen geworfen werden, denn noch hält die obere Führung die Panzerreserven zurück. Noch schafft es deutscherseits die taktische Führung, durch zahlreiche Improvisation die zum Zerreißen gespannte Front zu halten.

Doch am 5. Angriffstag, dem 20. Oktober, fasst die 11. Gardearmee im Zentrum mehrere Panzerbrigaden zusammen und erzielt den Durchbruch über die Rominte, zehn Kilometer südöstlich von Gumbinnen, erreicht tags darauf den Stadtrand und erobert Nemmersdorf. Ein zweiter Angriffskeil zielt über Schützenwalde auf Angerapp, während 25 Kilometer weiter südlich hart um Goldap gekämpft wird. Der Gegner versucht mehrmals, Gumbinnen im Handstreich zu nehmen, doch zusammengewürfelte Alarmeinheiten halten Stand. In der Front der 4. Armee klafft nun eine 30 Kilometer breite Lücke. Die Schlacht steht auf des Messers Schneide.

Nun greift Generaloberst Reinhardt ein und unterstellt der bedrängten Armee die 5. Panzer- und die Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“, während das Oberkommando des Heeres die Führer-Grenadierbrigade von Lötzen heranführt. Am 21. Oktober treten die beiden Panzerdivisionen südöstlich von Gumbinnen zum Stoß nach Süden an, während die Führer-Grenadierbrigade den sowjetischen Durchbruchskeil durch einen Stoß nach Norden abschneiden soll. Es kommt zu schweren Panzergefechten, da der Gegner seine Geländegewinne nicht aufgeben will. Am 22. Oktober schließen die deutschen Panzerkräfte die „Zange“ an der Rominte bei Großwaltersdorf. Der Gegner unternimmt heftige Ausbruchsversuche, wobei er schwere Verluste, darunter 127 Kampfpanzer, erleidet. Dennoch stürmt er weiter gegen die nunmehr verkürzte deutsche Front, bis seine Angriffe am 28. Ok­tober erlahmen. Nach kurzer Umgruppierung gehen die Deutschen auch bei Goldap, das der Gegner inzwischen erobert hatte, vor und gewinnen es am 5. November nach zweitägigem Häuserkampf zurück.

Als deutsche Einheiten am 22. Oktober die Ortschaft Nemmersdorf zurückeroberten, bot sich ihnen ein schreckliches Bild. Es machte schlagartig klar, was der Bevölkerung drohte, wenn sie dem gnadenlosen Gegner in die Hände fiel. Insgesamt wurden 60 furchtbar zugerichtete, zum Teil verkohlte Leichen aufgefunden. Alle Frauen, darunter eine 84-jährige Blinde, aber auch acht bis zwölfjährige Mädchen waren vergewaltigt und hierauf getötet worden. Zwei nackte Frauen hatte man in Kreuzesform an Scheunentore genagelt. Ähnlich furchtbar war es den Einwohnern in Schützenwalde, zehn Kilometer südwestlich von Nemmersdorf, ergangen. Die Hintergründe für die Gräueltaten lagen vor allem in der Rachepropaganda, mit der die sowjetische Führung, angefangen von Stalin, ihre Soldaten aufgeputscht hatte.

Wenn auch die 4. Armee in der Folge eine feste Front errichtete, war man sich in der Bevölkerung bewusst, welches Schicksal sie im Falle einer Besetzung durch die Rote Armee erwartete. Noch wäre Zeit gewesen, die gefährdeten Gebiete zu räumen, doch die Gauleitung fürchtete einen Verfall der Wehrmoral und verlautbarte stattdessen Durchhalteparolen. Als der sowjetische Generalangriff schließlich am 13. Januar 1945 losbrach, mussten die Einwohner Ostpreußens die schrecklichen Folgen dieser Unterlassung tragen. 
 

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt Ausgabe 41/09 v. 10.10.2009

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