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Der ZDF-Film


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Fürs deutsche Publikum weichgespült
Wie das ZDF die Sendung »Abschlachten auf Tschechisch« bearbeitet hat
– Ortsnamen penetrant falsch ausgesprochen

Wie angekündigt, hat inzwischen das ZDF den Film eines tschechischen Amateurfilmers über den Mord an Deutschen in Prag im Mai 1945 ausgestrahlt. Doch die Aufbereitung enttäuschte, wie die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich in einer Analyse aufzeigte, aus der wir im Folgenden zitieren.

Dieser Film lief, wie der ZDF-Haushistoriker Guido Knopp berichtete, im tschechischen Fernsehen „zur besten Sendezeit“. Das ZDF hingegen wartete am Sonntag, dem 12. September, bis 23.35 Uhr mit seiner gekürzten, verschlimmbesserten Fassung. Das Ende war erst gegen halb eins.

Auslöser des Originalfilms in CT2 war ein kurzer Amateurfilm über die Erschießung von 42 deutschen Zivilisten in Prag Anfang Mai 1945. Am 6. Mai 2010 konnte das konsternierte tschechische Publikum sehen, wie nach der Erschießung ein Militär-Lkw die teilweise noch zuckenden Menschen zermalmte.

Der dokumentarische Hauptbeitrag galt hingegen dem Massenmord an mindestens 763 Deutschen aus Saaz im Nordwesten Böhmens. Der Name Saaz wurde im ZDF „Saas“ ausgesprochen, öfter jedoch wurde die uralte und bis 1946 deutschsprachige Stadt mit ihrem tschechischen Namen „Zatec“ genannt. Auch in dieser Version wurde der Name indes falsch ausgesprochen, nämlich „Zatek“, statt „Schatets“. Auch das etwa zehn Kilometer weiter östlich gelegene Postelberg wurde mit seinem tschechischen Namen Postoloprty bezeichnet, der in zwei unterschiedlichen Varianten stets falsch ausgesprochen wurde, einmal sogar „Posloloprzky“. Was sollen sudetendeutsche Fernsehgebührenzahler dabei denken, die in dieser Sendung womöglich kurz ihr Elternhaus erblickt haben und um den erschossenen Vater trauern? Fast alle damals in der Stadt anwesenden Postelberger und die meisten Saazer Männer im Alter zwischen 14 und 65 Jahren wurden nämlich zwischen dem 4. und dem 6. Juni 1945 erschossen.

Wie erst vor kurzem bekannt wurde, wurden schon 1946 die Leichen der verscharrten Toten durch ein Hochwasser der Eger freigelegt. Nur weil aus Versehen auch zwei Tschechen mit erschossen worden waren (die Benesch und Stalin noch bei der Erschießung hatten hochleben lassen!), veranlasste die Regierung Benesch im Juni/Juli 1947 die Exhumierung, Identifizierung und Einäscherung der Toten. Der ganze Vorgang wurde streng geheim behandelt, war aber der ansässigen Bevölkerung bekannt. Auch die Namen der Täter sind bekannt, sie wurden aber wegen des bis heute geltenden tschechoslowakischen Gesetzes Nr. 115 vom 8. Mai 1946 nie bestraft. Dieses Gesetz legalisiert de facto sämtliche zwischen 30. September 1938 und 28. Oktober 1945 an Deutschen und Ungarn in der Tschechoslowakei verübten Verbrechen als „nicht rechtswidrig“.

Der ZDF-Film strotzte von kleineren Übersetzungs- und größeren Interpretationsfehlern. Es beginnt bei dem Titel der tschechischen Sendung, der statt mit „Abschlachten auf Tschechisch“ mit „Töten auf Tschechisch“ übersetzt wurde. Man stolperte nur so über Beweise redaktioneller Unfähigkeit, wenn nicht bewusster Manipulation. Gleich zu Beginn des Beitrags wird das Sudetenland (nur) „an der nördlichen Grenze der CSR“ angesiedelt. Nicht zwei, sondern mindestens acht Fallschirmspringer schickte Benesch als Attentäter Ende 1941 von London nach Prag, um Heydrich beseitigen zu lassen. Sogar der Hauptort der SS-Vernichtungsaktion, Lidice, wurde dreimal falsch „Liditsche“ genannt.

Ähnlich wie früher in Publikationen der DDR wurden nun auch im ZDF die entsetzlichen Gewaltexzesse an Deutschen als eine „Vergeltung an den einstigen deutschen Besatzern“ eingestuft. Dass sudetendeutsche Zivilisten eben keine Besatzer waren, fiel dabei ebenso unter den Tisch wie die Selbstverständlichkeit, dass selbst eine Vergeltung an tatsächlichen Besatzern ohne Gerichtsverfahren unerträglich wäre. Ganz schief war auch die Formulierung: „Sie [die Sudetendeutschen] bezahlen die Rechnung für die mörderische Besatzung.“ Nur sehr wenige Tschechen wurden persönlich Opfer von Unterdrückungsmaßnahmen.

Die in beiden Fassungen verbreitete Ausrede, die Anweisung Beneschs, die Deutschen zu „beseitigen“, sei nur missverstanden worden, ist eine glatte Lüge. „Vylikvidovat“, das Schlüsselwort von Beneschs Prager Rede am 16. Mai 1945 bedeutet auf Deutsch nun einmal „(vollständig) liquidieren“. Außerdem ist belegt, dass Organisatoren großer Vertreibungsverbrechen von der Regierung Benesch sogar gefördert wurden, weswegen Bedrich Pokorny, der Organisator des Brünner Todesmarsches ins Innenministerium berufen wurde, wo er wenige Wochen später das Massaker von Aussig vom 31. Juli 1945 organisierte.   Fritz Werner/K.B.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, 40/10 v. 09.10.2010


 

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