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Inflation 1919-1924, 50 Millionen Mark 01.09.1923

Ein Trauma der Deutschen wird begründet
Schrankenlose Geldvermehrung machte vor 90 Jahren die Einführung einer neuen Währung, der Rentenmark, nötig
von Klaus J. Groth

Im Sommer 1923 hatte die Inflation in Deutschland ein unvorstellbares Ausmaß erreicht. Hausfrauen schleppten Taschen voll Geld zum Einkaufen. Sie mussten sich beeilen, denn die Preise stiegen an manchen Tagen im Stundentakt. Im Juni kostete ein Ei 800 Mark, ein Liter Milch 1440 und eine Fahrt mit der Straßenbahn in Berlin 600 Mark. Geschäftsleute horteten ihre Waren, es kam zu Plünderungen. Viele Theater und Kinos ließen sich die Eintrittskarten mit Naturalien bezahlen. Die besten Plätze kosteten ein Pfund Butter, die hinteren zwei Eier. Was nutzte es, dass ein Handwerker am Monatsende 150.000 Mark nach Hause brachte und Professoren Millionengehälter bezogen, die Inflation stieg immer schneller als die Löhne. Ebenso rasant verlor die deutsche Währung im Ausland an Wert. Zuletzt musste man für einen US-Dollar 4,2 Billionen Mark bezahlen.

Die Hyperinflation war der Preis, den die Deutschen für den verlorenen Krieg bezahlten. Sie hatten eine doppelte Schuld zu begleichen: die immensen Kosten der Kriegsführung und die Reparationen, die ihnen die Alliierten im Versailler Vertrag von 1919 aufbürdeten. 1921 wurde die Schadenersatzforderung im sogenannten Londoner Schuldenplan auf 132 Milliarden Goldmark, das entspricht 47.000 Tonnen Gold, festgesetzt. Außerdem verlangten die Sieger einen Anteil von 26 Prozent an den Erlösen des deutschen Exports. Vor allem die Franzosen steuerten den harten Kurs gegen ihren „Erbfeind“, dem sie die Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 nicht verzeihen konnten.

Die Forderung war unerfüllbar. Die deutsche Wirtschaft lag bald am Boden, die Zahl der Arbeitslosen stieg auf fast 30 Prozent. Dafür liefen die Geldpressen des Staates Tag und Nacht. Im November war der höchste Geldschein 100 Billionen Mark „wert“. Die von Krisen geschüttelte Weimarer Republik stand vor dem Ruin.

Am 13. August 1923 wurde der Liberale Gustav Stresemann zum Reichskanzler gewählt. Er leitete zusammen mit dem Reichswährungskommissar und späteren Präsidenten der Reichsbank Hjalmar Schacht die Vorbereitungen für eine Währungsreform ein, die stabile Verhältnisse und bessere Lebensbedingungen in Deutschland schaffen sollte. Da der Staat nicht über genügend Goldreserven verfügte, wurde die neue Währung, die Rentenmark, durch eine Grundschuld gedeckt, für die das gesamte deutsche Gewerbe, die Industrie und die Landwirtschaft mit Grund und Boden im angenommenen Wert von 3,2 Milliarden Rentenmark hafteten. Die am 15. Oktober gegründete Deutsche Rentenbank sollte als unabhängiges öffentlich-rechtliches Kreditinstitut den gewaltigen Währungsschnitt steuern. Am 15. November wurde die neue Rentenmark ausgegeben. Sie ersetzte die Papiermark, seit 1919 Zahlungsmittel der Weimarer Republik.

Rentenmark-Ausgabe: Warteschlange in Berlins Oberwallstraße

Die Reform war die größte Geldvernichtungsaktion, die jemals in einer Industrienation stattfand. Für eine Billion Papiermark gab es nach Streichung von zwölf Nullen eine Rentenmark. Die Menschen brachten säckeweise Geld zu den Ausgabestellen. Die Geldscheine, die sie dafür erhielten, passten in jedes Portemonnaie. Komplette Ersparnisse hatten sich in nichts aufgelöst. Zudem wurden die Kriegsanleihen aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurückgezahlt. Fein heraus waren nur diejenigen, die „Betongold“ – Immobilien und Ländereien – besaßen oder Schulden hatten. Die leidgeprüften Deutschen fügten sich in ihr Schicksal. Mancher heizte den Ofen mit dem Papiergeld an, so erfüllte es wenigstens noch einen Zweck. Die Scheine mit Billionenwerten sind heute begehrte Sammelobjekte.

Von der Skepsis, die viele Bundesbürger der Umwandlung der Deutschen Mark in den Euro, den „Teuro“, entgegenbrachten, war bei der Einführung der Rentenmark nichts zu spüren. Die Menschen vertrauten darauf, dass sie aus der Krise herausführen würde. Tatsächlich war die Währungsreform der entscheidende Schritt zu einer wirtschaftlichen Blütezeit. Die Zeitungen schrieben über das „Wunder der Rentenmark“. Die neue Währung war nur als Überganglösung geplant und sollte in die Reichsmark übergehen. Sie brachte die fiskalische Voraussetzung für eine Änderung der Reparationen. Ein internationaler Expertenausschuss unter Leitung des US-amerikanischen Bankiers und späteren Vizepräsidenten der USA Charles Dawes (1865–1951), erarbeitete einen neuen Finanzierungsplan, der die Zahlungen an die wirtschaftliche Leistung Deutschlands knüpfte. Kredite aus dem Ausland, vor allem aus den USA, und Investitionen sollten Deutschland wirtschaftlich auf die Beine helfen. Für den nach ihm benannten Plan erhielt Dawes 1925 den Friedensnobelpreis.

Schon ein Jahr nach der Einführung der Rentenmark und dem strikten Sparkurs der Regierung hatte sich die Situation im Deutschen Reich so entspannt, dass die Reichsmark als endgültige Währung eingeführt werden konnte. Sie war im Wesentlichen durch Gold gedeckt und notierte zum Dollar mit 4,2 Mark, genauso wie zu Vorkriegszeiten. Die Rentenmark sollte eigentlich nach und nach eingezogen werden. Sie blieb aber als gleichwertiges Zahlungsmittel im Umlauf, da die Regierung die Bürger nicht verunsichern wollte. Auf den Scheinen der Parallelwährung befanden sich keine deutschen Hoheitszeichen. Das offizielle Kürzel für beide Währungen war RM. Die letzten Rentenmarkscheine zu ein und zwei RM wurden am 5. September 1939 ausgegeben. Sie waren bis zur Währungsreform 1948 in den alliierten Besatzungszonen gültig.

Die Reichsmark läutete die sogenannten goldenen 20er Jahre ein. Von 1924 bis 1929 wuchs das Produktionsvolumen um 50 Prozent. Kunst und Wissenschaft blühten auf, und Berlin wurde zu einer glitzernden Metropole. Die Weltwirtschaftskrise beendete 1929 mit dem Börsenkrach in New York den Höhenflug. Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen bereiteten den Boden für den Aufstieg der Nationalsozialisten.
 

Quellen:
Geldschein: Archivmaterial,
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt Ausgabe 45/13, 09.11.2012


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