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Kriegsschuldfrage

 


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Der US-Botschafter in Paris, William C. Bullitt, lädt 1939 zu einer seiner legendären Gartenpartys:
Peinliche Darstellung der Kriegshetzer.

Meistererzählungen zur Schuldfrage
Historiker im Dienste des US-Geheimdienstes haben die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs massiv zu ihren Gunsten frisiert
von Stefan Scheil

Jeder historischen Debatte über die Umstände des Kriegsbeginns von 1939 liegt auch heute noch regelmäßig die Annahme einer deutschen Hauptschuld zugrunde, diesen Krieg willkürlich begonnen zu haben. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre schien dagegen erstmals für kurze Zeit das Unmögliche möglich zu werden.

Die Ende 1960 konstituierte Kommission zur Beratung der Bundesregierung in Fragen der politischen Bildung und andere geschichtspolitisch aktive Institutionen mußten sich in Bonn mit Tendenzen der Geschichtsschreibung befassen, die diesen Konsens in Frage stellten. Kommissionsmitglied Helmut Krausnick vom Institut für Zeitgeschichte schlug in der entsprechenden Sitzung unter Bezugnahme auf die Veröffentlichungen von David Hoggan und anderer nicht namentlich genannter Revisionisten, unter denen er wohl neben anderen den britischen Historiker A. J. P. Taylor verstanden haben dürfte, das Schreiben eines neuen Geschichtsbuchs vor.

Der so zurückzudrängende Einfluß des Amerikaners David Hoggan, der für das Jahr 1939 von einem durch die englische Politik „erzwungenen Krieg“ gesprochen hatte, war auch auf der Tagung der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung Ende 1962 bereits ein Thema gewesen. Der Bildungspolitiker Felix Messerschmidt schob auf dieser Tagung Hoggans Einfluß der Unsicherheit der Lehrerschaft wegen „zu langen Verharrens bei reiner Zeitgeschichte“ zu. In der Tat hatte Hoggan im Rahmen reiner Zeitgeschichte den Finger auf ein grundsätzliches Problem gelegt, wie auch der Fritz-Fischer-Schüler und Hamburger Geschichtsprofessor Imanuel Geiss zwei Jahre später, 1964 in einem Aufsatz anmerkte: „Die Verwirrung vergrößerte sich nur noch, als David Hoggan, ein amerikanischer Faschist pure et simple, mit einer offenen Apologie Hitlers herauskam und sich den wahrhaft schwachen Punkt der antihitlerischen Geschichtsschreibung zunutze machte, indem er völlig zu Recht nachwies, daß Hitler den Zweiten Weltkrieg nicht wollte; aber seine ideologische Voreingenommenheit hinderte ihn daran zu erkennen, daß Hitler den Zweiten Weltkrieg tatsächlich überwiegend verursachte. In der Tat, ein Zweiter Weltkrieg wäre wirklich das letzte gewesen, was sich Hitler zur Erfüllung seiner ehrgeizigen Weltpolitik hätte wünschen können, und er versuchte, den Weltkrieg zu vermeiden.“

US-Historiker klittern für den eigenen Geheimdienst

Mit diesen und anderen Sätzen gehörte Geiss zu den wenigen in der deutschen Historikerzunft, die solche Erkenntnisse ex cathedra aussprachen und sogar drucken ließen. Unter den Professoren dürfte er in dieser Deutlichkeit der einzige geblieben sein. Dabei dachte er natürlich keineswegs an eine Apologie, sondern unternahm lediglich den Versuch, das Jahr 1939 angemessen differenziert zu beurteilen. Ob das von Helmut Krausnick vorgeschlagene neue Buch zur Sache solche Ansichten hätte transportieren können, wird man nie erfahren.

Maßgebend im Bereich der politischen Bildung zu diesem Komplex blieben Walther Hofersso  simple wie unzutreffende Vorstellungen über die „Entfesselung des Zweiten Weltkriegs“ durch den deutschen Diktator. Auch Hofer ließ es sich wie manch anderer nicht nehmen, Hoggan in einer bedeutend erweiterten Neuauflage der „Entfesselung“ im Jahr 1964 ausführlich anzugreifen. Angriffspunkte für diesen Zweck bot Hoggans Buch auch reichlich, zum einen wegen der einzelnen Formulierungen im Rahmen seiner apologetischen Tendenz, aber auch wegen manch sachlicher Fehler und unpräziser Zitate. Darüber hinaus konnte Hofer sich von Hoggan persönlich getroffen fühlen. Es sei durch Hoggans und Taylors Veröffentlichungen eingetroffen, „was kein Eingeweihter für möglich hielt“.

In Deutschland sei eine heftige Diskussion über die Frage der Schuld und Verantwortung am Zweiten Weltkrieg in Gang gekommen, trotz der nach Hofers Ansicht „überwältigenden“ Beweislage. Diese Ansicht unterfütterte Hofer noch einmal durch seine verkürzten Quelleninterpretationen der Schlüsseldokumente der Hitlerschen Entscheidungsfindung, die sich noch Jahrzehnte später durch die Forschungsliteratur der Zeitgeschichte ziehen. Interessant ist zudem die Verwendung des Begriffs „Eingeweihter“ durch Hofer, denn eingeweiht sein bedeutet gewöhnlich die Kenntnis von Dingen, die eben nicht jeder weiß und die nicht in „überwältigender“ Deutlichkeit wohlfeil in den Buchhandlungen ausliegen. Hofer verwendete diesen Begriff nicht nur einmal, sondern auch mit Blick auf die von Hoggan genannten Namen amerikanischer Historiker, denen er Unterstützung verdanken würde: „Darunter befanden sich Namen wie Raymond J. Sontag und William L. Langer, von denen der Eingeweihte sofort weiß, daß sie sich unmöglich an Hoggans Machwerk beteiligt haben können.“

Sontag hätte ihn autorisiert, diesen Sachverhalt als Dementi auch öffentlich bekanntzugeben. Langer hätte selbst in der Fachzeitschrift Geschichte in Wissenschaft und Unterricht ein distanzierendes Schreiben veröffentlicht, so Hofer. Nun hatte Harvard-Absolvent Hoggan offenbar tatsächlich bei Langer studiert und mochte ihm manches verdanken, aber natürlich konnten „Eingeweihte“ wie Walther Hofer wissen, daß William L. Langer gute Gründe hatte, an keinem Forschungsbeitrag teilzuhaben, der Hitlers fehlende Absicht zum Krieg öffentlich nachwies.

Bei Langer handelte es sich eben nicht nur um irgendeinen Historiker. Er schrieb im amerikanischen Regierungsauftrag, genauer als hochrangiger Mitarbeiter des US-Kriegsgeheimdiensts OSS und als Chef von dessen „Gehirn“, der Research and Analysis Branch (R&A) in Kriegszeiten. Seine Standardwerke zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs, die auch der bundesdeutsche Student für mehr als eine Generation auf seiner Literaturliste fand, entstanden aus dieser Situation heraus und lassen sich ohne sie kaum verstehen. Langer und sein ihm ebenfalls aus der OSS-Arbeit vertrauter Kollege Everett Gleason fanden dennoch keinen Interessenkonflikt darin, diese Arbeit anzunehmen, als der Council on Foreign Relations von der Rockefeller-Stiftung eine substantielle Summe für eine insgesamt auf vier Jahre Dauer angesetzte historische Recherche über die US-Außenpolitik vor und während des Krieges zur Verfügung gestellt bekam.

Der Council erklärte, es sei „im nationalen Interesse“, wenn Langer diese Arbeit übernehmen würde. Im Vorwort hoben die Autoren später hervor, eine „vollkommen unabhängige“, wissenschaftliche Studie verfaßt zu haben, die zwar vom US-Außenministerium inhaltlich durchgesehen worden sei, jedoch nur im Hinblick auf möglichen Schaden für die Beziehungen der USA zu anderen Staaten und die nationale Sicherheit. Die Darstellung folgte denn auch in grober Linie der regierungsamtlichen Meistererzählung von den USA als angeblicher „Weltmacht wider Willen“, die beispielsweise 1939 kaum eine aktive Europapolitik und schon gar keine Kriegspolitik betrieben habe.

Letztlich übernehmen solche Einstufungen bewußt oder unbewußt die vorgegebene Antwort ebenso wie die Fragestellung und verhindern eigene Fragen nach den Kernpunkten. Nur gelegentlich ergänzte direktes Abstreiten von Fakten diese Darstellung von Langer/Gleason, die ansonsten im Regelfall mit einer geschickten Auswahl von wünschenswerten Tatsachen und der Ausblendung von unerwünschten Tatsachen auskam. Im Fall einer Aktenpublikation des deutschen Auswärtigen Amts aus dem Jahr 1940 aber reichte dies nicht. Dort waren „Polnische Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges“ in Faksimile der Weltöffentlichkeit zur Kenntnis gegeben worden, in denen die amerikanische Außenpolitik seit der Jahreswende 1938/39 als Kriegspolitik erkennbar wurde oder zumindest als eine Politik, die den Krieg gegen Deutschland mit ins Kalkül zog.

Akten zur US-Kriegspolitik als Fälschung denunziert

Hier mußten Langer/Gleason die Wahrheit direkt abstreiten: „Diese Dokumente erwecken den Eindruck, daß Männer wie Botschafter Bullitt Kriegshetzer gewesen wären und eine schwere Verantwortung für die Entwicklung der europäischen Krise trügen. Die Echtheit dieser Papiere wurde von Mr. Bullitt und Außenminister Hull augenblicklich bestritten und auch von anderen Amerikanern und ausländischen Offiziellen ernsthaft in Frage gestellt. Man kann daher nur zum Schluß kommen, daß diese Dokumente Fälschungen sind und nur in der Hoffnung publiziert wurden, die amerikanische Administration zu diskreditieren und isolationistische Stimmung zu schüren.“

Nun waren diese Dokumente, deren Bedeutung hier an der heftigen Art erkennbar wird, mit der sie zur Fälschung erklärt werden sollen, tatsächlich echt. Dies ist mittlerweile geklärt, geht auch aus den Memoiren der beteiligten polnischen Diplomaten hervor und hätte von Langer/Gleason aus eigener Hand überprüft werden können. Die 1939 in Warschau von deutschen Stellen erbeuteten und teilweise veröffentlichten polnischen Dokumente waren nämlich 1945 von amerikanischen Stellen erbeutet und nach Washington gebracht worden, wo sie ob ihrer Brisanz für die nächsten fünfzig Jahre für die Forschung gesperrt unzugänglich gelagert wurden.

Die nationale Sicherheit blieb nach dem erfolgreichen Abschluß dieser Arbeit auch weiterhin das professionelle Tätigkeitsfeld beider Autoren. Everett Gleason kehrte nach den vier Jahren nach Washington in die Regierungstätigkeit zurück, in den National Security Council. Auch William Langer nahm zum 1. Februar 1952 den Posten eines „assistant director“ in der Nachfolgeorganisation der OSS an, der inzwischen gegründeten Central Intelligence Agency (CIA). Die politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland überwand ihre kurzzeitige Verwirrung und verbreitete weiterhin die Alleinschuldthese.

Quellen:
Foto Bullitt: http://de.wikipedia.org/wiki/William_C._Bullitt;
JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co., Nr. 48/10 vom 26.11.2010, Seite 21


 

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